Preise

Rohstoffe für Standard-Thermoplaste kosten im Jahr 2005 etwa 900 bis 1.000 Euro/ t (PE, PP) oder ab 1.500 Euro/ t (PS). Biokunststoffe sind mit Rohstoffpreisen zwischen drei und fünf Euro je Kilogramm daher kaum konkurrenzfähig. Ihnen bleibt momentan daher nur die Chance, sich eigene Märkte zu erschließen und Marktanteile aufzubauen.

Denn der Aufbau einer kostengünstigen Produktion in üblichen industriellen Größenordnungen steht für die meisten Biokunststoffe noch bevor. Biotechnologische Verfahren sind dabei ebenso Hoffnungsträger wie auf Stärke basierende, qualitativ hochwertige Blends. Sobald die Produktion im industriellen Maßstab abläuft, dürften die Kosten für Biokunststoffe erheblich fallen. Experten gehen davon aus, dass Stärkekunststoffe und Polylactide dann für unter zwei Euro pro Kilogramm produzierbar wären. Diese Kosten kämen denen der Standardthermoplaste bereits sehr nahe. Dabei finden die positiven Aspekte der CO2-Minderung und des vorbeugenden Klimaschutzes finanziell noch nicht einmal Berücksichtigung.

Potenziale

Aussagen über die Potenziale von Biokunststoffen sind stark davon abhängig, ob es gelingt, mit positiven Rahmenbedingungen das Interesse der kunststofferzeugenden Industrie an Biokunststoffen verstärkt zu wecken. Fast 40 Prozent der 14 Mio. Tonnen Verpackungen, die jährlich in Deutschland verbraucht werden, sind aus Kunststoff. Rund 1,8 Mio. Tonnen davon entfallen auf kurzlebige Kunststoffverpackungen, wie Folien, Tragetaschen, Beutel, Säcke, Becher oder Cateringprodukte – Produkte also, die problemlos aus Stärkekunststoffen und Polylactiden hergestellt werden könnten. In Kunststoffverpackungen sehen die meisten Experten das größte Potenzial für Biokunststoffe. Potenzial bergen Biokunststoffe auch für den Gartenbau: jährlich 12.000 bis 20.000 Tonnen Pflanzgefäße aus diesem Material wären realistisch. Dazu kommen noch etwa 1.500 Tonnen an Mulchfolien. Auch die COPA (Committee of Agricultural Organisations in the European Union) und die COGECA (General Committee for the Agricultural Cooperation in the European Union) haben sich damit beschäftigt. In einem Positionspapier von 2001 stellten sie für Biokunststoffe (bioplastics) aus nachwachsenden Rohstoffen die in der obenstehenden Tabelle aufgeführten Potenziale für Europa fest. COPA und COGECA schlagen für biologisch abbaubare Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz von beispielsweise vier Prozent vor. Damit soll die CO2 -Einsparung in der Ökobilanz dieser Produkte positiv in Wert gesetzt werden.

 

Grafik: Potenzial für Biokunststoffe
Grafik: Potenzial für Biokunststoffe

Potenzial für Biokunststoffe in Europa (Schätzungen der COPA und COGECA von 2001)
Catering 450.000 t/ha
Säcke zum Sammeln von Biomüll 100.000 t/ha
Bioabbaubare Mulchfolien 130.000 t/ha
Bioabbaubare Folien für Windeln 80.000 t/ha
Windeln, vollständig aus BAW 240.000 t/ha
Leichtverpackungen, Schalen und Dosen 400.000 t/ha
Gemüseverpackungen 400.000 t/ha
Komponenten für Fahrzeugreifen 200.000 t/ha
Gesamt 2.000.000 t/ha
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